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Besuch der Synagoge in Münster

Wie sieht eine Synagoge aus und was macht das Judentum aus? Diese Frage stellt sich auch der evangelische 10er Relikurs als sie am 27.11.2023 zu der Synagoge nach Münster fahren.
Vom Bahnhof bis zur Synagoge braucht es nur einen kurzen Fußmarsch. Dort angekommen sieht der Kurs zwei Polizeiautos vor der Synagoge stehen. Diese sind dort, um die Synagoge vor Anschlägen zu schützen. In dieser momentanen Lage ist dies leider wichtig. Der Kurs wird sehr freundlich von Frau Stöckmann empfangen und nach einem kurzen Moment geht es auch schon los. Frau Stöckmann aus der Synagoge erzählt uns heute alles und beantwortet alle Fragen. Als erstes erklärt sie ein wenig über das Judentum an sich und über die Juden und die Synagoge in Münster. Sie sagt zum Beispiel, dass ein Grabstein von einem Jüdischen Friedhof in der Lambertikirche gefunden wurde. Das heißt, dass münsteraner Christen früher die Grabsteine zum Bauen weiterverwendet haben. Im Judentum ist es nicht so, dass ein Grabstein nach 30 Jahren wegkommt, sondern er steht für immer auf dem Friedhof. Außerdem kann man ein Stück einer Torarolle sehen, welche in einem Bilderrahmen hängt. Das Besondere daran ist, dass sie aus dem Feuer der Synagoge in Borghorst in der Reichsprogromnacht gerettet wurde und später anonym übergeben wurde. Daraufhin gehen wir in die eigentliche Synagoge. Allerdings müssen die Jungs eine sogenannte Kippa tragen, um ihren Kopf zu bedecken. Alle dürfen sich auf die Bänke setzen. Im ersten Moment sieht die Synagoge nicht viel anders aus als eine normale Kirche. Es werden aber alle Unterschiede gemeinsam erklärt, zum Beispiel sieht man in Synagogen kein Bild Gottes, da er nicht vorstellbar ist oder es gibt keine Orgel. Der Kurs hat viele neue Dinge dazu gelernt, wie zum Beispiel, die Bedeutung einer Synagoge, denn es ist kein Haus Gottes wie in einer Christlichen Kirche, sondern ein Haus der Versammlung. Zudem ist die Zahl 613 sehr wichtig im Judentum, denn das ist die Zahl aller Gebote an, die sie sich halten müssen. Außerdem sind überall im Tempel Symbole, die an den Heiligentempel in Jerusalem angelehnt sind. Zum Beispiel ein Kronleuchter (Menora), normalerweise leuchten bzw. leuchteten alle sieben Lichter im Heiligen Tempel deshalb leuchten in der Synagoge nur 6. Denn es gibt nur einen Heiligen Tempel. Auffällig ist auch, dass die Frauen und Männer getrennt sitzen. Die Frauen sitzen eine Etage (Empore) höher, das ist aber nicht immer so. In anderen Synagogen kann es sein das die Frauen links bzw. rechts und die Männer rechts bzw. links sitzen. Aber wieso ist das so? Das ist so, weil die Frauen nicht so stark an die Synagoge gebunden sind wie die Männer, das heißt, dass sie nicht das tun müssen, was die Männer tun müssen, z.B. müssen die Frauen nicht die ganze Zeit in der Messe sein. Sie können auch später kommen bzw. früher gehen. Deshalb sitzen sie getrennt, da nur durch die Frauen das Judentum weitergegeben wird ist auch noch ein Grund dafür. Das heißt nicht, dass die Frauen keine Pflichten haben, ganz im Gegenteil.
Als alles geklärt ist, besprechen wir zusammen mit Frau Stöckmann die 10 Gebote und was die Christen alles von den Juden übernommen haben, z.B. die Engel. Daraufhin hat Frau Stöckmann ein paar Gegenstände gezeigt, die immer verwendet werden. Dabei waren Dinge wie eine Bibel auf Althebräisch oder ein Tallit, das ist ein Tuch, das sich Männer überlegen. Dieses Tuch hat an den Seiten genau 613 Fäden. Des Weiteren eine alte Torarolle die nicht mehr koscher ist. Wenn etwas koscher ist, bedeutet das, dass die Rolle heilig ist. Das heißt, dass man sie nicht einfach so anfassen darf. Nur mit einem bestimmten Metall. Wenn man aber so eine Rolle anfasst muss ein Ritual durchgeführt werden, um sich zu reinigen. Eine Torarolle ist nicht mehr koscher, wenn z.B ein Loch darin ist. Die Rollen, die nicht mehr koscher sind werden aufbewahrt. Wenn man sie aber nicht mehr in der Synagoge stehen haben will, muss man sie beerdigen. Das heißt, man muss sie mit einer richtigen Zeremonie verabschieden. Danach werden dem Kurs die Tora Rollen gezeigt die Koscher sind (siehe Bild). Man kann gut die ganzen Verzierungen sehen. Diese haben meist eine Bedeutung aber nicht immer. Abschließend kann der Kurs noch zu allen möglichen Dingen Fragen stellen. Damit endet unser Besuch und der Kurs bedankt sich für die Führung bei Frau Stöckmann, denn der Vormittag war sehr interessant und hat uns das Judentum und die Synagoge in Münster eindrucksvoll nähergebracht.
-Hennes Servos-